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Fassade 9 min Lesezeit

Fassadenreinigung Hochdruck: Wann Anbieter aufschlagen — und wann das Ihrer Fassade schadet

Hochdruckreiniger oder Niederdruck-Weichwasch? Was Anbieter Ihnen verschweigen — und wie Sie Ihren Putz schützen.

Alvin Edwards
Von Alvin Edwards Gründer, KlarWerk 360

Auf einen Blick

  • Ab 150 bar zerstört Hochdruck Putzfassaden und WDVS-Oberflächen dauerhaft — Sanierungskosten ab 40 €/m² möglich.
  • WDVS-Fassaden vertragen maximal 30–50 bar Reinigungsdruck — alles darüber ist eine Substanzgefährdung.
  • Niederdruck-Weichwasch arbeitet mit 20–80 bar + Biozid-Vorbehandlung und erzielt auf Putzfassaden bessere Langzeitergebnisse als Hochdruck.
  • Fugenspülung durch Hochdruck ist das häufigste Schadensbild bei Klinker — ausgespülte Fugen bedeuten Folgekosten von 15–35 €/m².
  • Kein seriöser Betrieb setzt an WDVS ungefragt mehr als 60 bar ein — fragen Sie vor Auftragserteilung konkret nach dem Arbeitsdruck.

Hochdruck, Niederdruck, Weichwasch: Was bedeuten diese Begriffe wirklich?

Hochdruckreinigung arbeitet mit einem Wasserdruck von über 100 bar, Niederdruckreinigung mit 20–60 bar, und Weichwasch (auch „Softwash" genannt) liegt bei unter 10 bar — kombiniert mit speziellen Reinigungsmitteln, die die mechanische Kraft ersetzen. Welches Verfahren passt, hängt ausschließlich vom Fassadenmaterial ab, nicht vom Verschmutzungsgrad.

Der Begriff „Hochdruckreinigung" klingt nach gründlicher Arbeit — und wird deshalb im Marketing häufig pauschal eingesetzt. Tatsächlich beschreibt er nur das Druckniveau des eingesetzten Geräts, sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Verfahren für Ihre Fassade geeignet ist. Ein handelsübliches Kärcher-Gerät für den Heimgebrauch erreicht bereits 120–160 bar. Professionelle Maschinen auf der Baustelle kommen auf 200 bar und mehr. Der Unterschied zwischen einem sauber gereinigten Klinker und einem zertrümmerten Fugenbett liegt oft nur in 50 bar Druckunterschied und der falschen Düsenwahl.

Weichwasch funktioniert nach einem anderen Prinzip: Statt Schmutz mechanisch abzutragen, lösen alkalische oder biozide Mittel Algen, Moose und organische Ablagerungen chemisch auf. Der Druck dient nur noch dem gleichmäßigen Auftragen und dem Nachspülen. Das schont die Oberfläche — ist aber kein Allheilmittel. Bei falscher Mittelkonzentration oder zu langer Einwirkzeit können Dichtungen, Metallteile und Fugensilikon angegriffen werden. Die drei Verfahren im Überblick:

  • Hochdruckreinigung (> 100 bar): geeignet für robuste Materialien wie Beton, unbeschichteten Naturstein, Betonpflaster — nicht für Putz, WDVS oder beschichtete Flächen
  • Niederdruckreinigung (20–60 bar): vielseitiger Einsatz, schonender Abtrag; sinnvoll bei Klinker und dichtem Mauerwerk mit soliden Fugen
  • Weichwasch / Softwash (< 10 bar + Reinigungsmittel): Standard für WDVS, Putzfassaden, empfindliche Beschichtungen und Dachflächen

Aus unserer Erfahrung verwechseln viele Auftraggeber „Hochdruck" mit „gründlich". Bei einem Auftrag in der Bonner Innenstadt haben wir eine Putzfassade übernommen, die ein Vordienstleister mit rund 150 bar behandelt hatte — das Ergebnis war eine flächige Putzabplatzung von knapp 4 m², die eine Neubeschichtung notwendig machte. Die Reinigung hatte 280 € gekostet, die Schadensbeseitigung das Sechsfache.

Typische Schadensbilder: Was Hochdruck an Putz, Klinker und WDVS anrichtet

Hochdruck beschädigt Fassaden auf drei Wegen: Er löst Putzschichten ab, spült Fugenmörtel aus und zerstört die Dämmstoffoberfläche bei WDVS-Fassaden irreparabel. Die Folge sind Feuchtigkeitsschäden, die in der Sanierung schnell 5.000 bis 25.000 Euro kosten — je nach Fassadengröße und Tiefe des Schadens.

Bei Putzfassaden zeigt sich das Problem oft erst Wochen nach der Reinigung. Wasser dringt in Mikrorisse ein, die der Strahl aufgebrochen hat. Bei Frost dehnt es sich aus, der Putz bläht sich, platzt ab — Fachleute sprechen von Abplatzungen oder Frostschäden zweiter Ordnung. Besonders gefährdet sind mineralische Außenputze, die älter als 20 Jahre sind: Ihre Haftschicht ist spröde, und ein Strahl ab 80 bar reicht aus, um sie stellenweise vom Unterputz zu trennen. Bei einem Auftrag in Bochum haben wir eine Putzfassade aus den frühen 2000er-Jahren begutachtet, bei der ein Vordienstleister mit über 120 bar gereinigt hatte — auf rund 30 m² musste der Putz vollständig erneuert werden.

Klinker gelten als robust, sind aber nicht unverwundbar. Das eigentliche Risiko liegt in den Fugen: Weicher Kalkmörtel — typisch für Gebäude vor 1980 — lässt sich mit Hochdruck buchstäblich herauswaschen. Sind die Fugen erst einmal offen, zieht Regenwasser direkt in das Mauerwerk. Schimmelpilze, Salzausblühungen und im schlimmsten Fall Frostsprengung im Stein sind die Folge. Selbst bei neueren Klinkerfassaden mit Hartmörtel gilt: Über 60 bis 80 bar sind die Fugen dauerhaft gefährdet, wenn der Winkel des Strahls ungünstig gewählt wird.

  • Putz (Mineral, Kunstharz, Silikon): Abplatzungen, Rissbildung, Haftungsverlust — besonders ab 80 bar und bei Altputz
  • Klinker und Ziegel: Ausgespülte Fugen, Salzausblühungen, Frostschäden im Mauerwerk
  • WDVS (Wärmedämmverbundsystem): Zerstörte Armierungsschicht, Wassereintritt in die Dämmung, Schimmelbildung hinter der Fassade
  • Naturstein (Sandstein, Schiefer): Materialverlust durch Abrasion, dauerhafter Glanzverlust, poröse Oberfläche nach der Reinigung

Was diese Schadensbilder verbindet: Sie entstehen nicht durch einen einmaligen, offensichtlichen Fehler, sondern durch zu hohen Druck bei falscher Technik — und sie werden oft erst beim nächsten Regen oder im darauffolgenden Winter sichtbar. Dann ist der Dienstleister längst weg, und die Haftungsfrage bleibt ungeklärt.

Warum sind WDVS-Fassaden und Hochdruck eine gefährliche Kombination?

WDVS-Fassaden (Wärmedämmverbundsysteme) vertragen keinen Hochdruck — weil ihr Aufbau strukturell darauf nicht ausgelegt ist. Der Putz ist lediglich 5 bis 8 mm dünn und sitzt auf einem weichen Dämmkern aus EPS oder Mineralwolle. Schon ab 80 bar Druck dringt Wasser in die Dämmschicht ein, das dort über Monate nicht entweicht.

Das Tückische: Der Schaden ist von außen oft wochenlang unsichtbar. Die Fassade sieht frisch gewaschen aus — bis die Feuchtigkeit im Dämmkern Schimmel bildet, die Armierungsschicht aufquillt oder der Oberputz in Feldern abplatzt. Aus unserer Erfahrung zeigen betroffene Objekte die ersten sichtbaren Risse und Ablösungen häufig erst im zweiten Winter nach der Reinigung, wenn Frost das eingedrungene Wasser dehnt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Verbindung zwischen Putz und Armierungsgewebe bereits gebrochen — eine Reparatur kostet dann leicht 80 bis 150 € pro Quadratmeter, abhängig davon, ob nur der Oberputz oder auch die Armierungsschicht erneuert werden muss.

Hinzu kommen drei spezifische Schwachstellen, die Hochdruck an WDVS-Fassaden gezielt angreift:

  • Anschlüsse und Laibungen: An Fenstern, Türrahmen und Sockeln sind die Putzschichten besonders dünn. Hochdruckstrahlen unterwandern hier die Anschlussprofile und lösen die Abdichtung.
  • Dehnfugen: WDVS-Systeme haben alle 6 bis 8 Meter vertikale Dehnfugen. Trifft der Strahl diese Fugen, wird das Fugendichtmaterial herausgetrieben — Wasser hat danach freien Weg in die Dämmebene.
  • Algenbewuchs als Indikator: Grüner Belag auf WDVS-Putz signalisiert oft, dass die Hydrophobierung der Oberfläche bereits erschöpft ist. Hochdruck entfernt zwar den Belag, zerstört aber gleichzeitig die letzten Reste der Schutzschicht — der nächste Bewuchs kommt innerhalb von 12 bis 18 Monaten zurück.

Die einzig vertretbare Methode für WDVS ist das Weichwaschverfahren (Softwash): Druck unter 30 bar, kombiniert mit bioziden Reinigungsmitteln, die Algen, Moose und Grünbelag auf biologischer Ebene abtöten. Das Ergebnis hält länger, und die Dämmschicht bleibt trocken. Wer Angebote für Fassadenreinigung im Rhein-Main-Gebiet vergleicht, sollte gezielt fragen, mit welchem Druck und welchen Mitteln gearbeitet wird — und Angebote ohne klare Antwort darauf aussortieren.

Wann ist Fassadenreinigung mit Hochdruck vertretbar?

Hochdruck ist bei Fassaden aus Klinker, Naturstein oder Sichtbeton vertretbar — sofern das Material intakt, die Fugen geschlossen und der Druck auf maximal 80–120 bar begrenzt ist. Auf Putzfassaden, WDVS oder verwitterten Oberflächen hat Hochdruck nichts zu suchen.

Die entscheidende Variable ist nicht nur der Druck, sondern das Zusammenspiel aus Druck, Düsenabstand und Auftreffwinkel. Ein erfahrener Spezialist arbeitet bei Klinkerfassaden mit einem Abstand von mindestens 20–30 cm und einem flachen Winkel von etwa 30–45 Grad zur Oberfläche. Wird der Abstand unterschritten oder der Strahl senkrecht aufgesetzt, platzt selbst robuster Klinker. Aus unserer Erfahrung zeigen Objekte, bei denen ein vorangegangener Dienstleister „auf Verdacht" mit Hochdruck gearbeitet hat, fast immer ausgespülte Fugen — auch bei vermeintlich hartem Material.

Folgende Materialien und Situationen gelten als geeignet für kontrollierten Hochdruckeinsatz:

  • Vollziegel- und Klinkerfassaden mit geschlossenen, intakten Fugen und einem Baujahr nach 1970
  • Sichtbeton ohne sichtbare Risse, Abplatzungen oder Carbonatisierungsschäden
  • Naturstein (Granit, Sandstein-hart) — nicht weicher Sandstein oder Travertin
  • Metallfassaden und Stahltore, bei denen kein Lackauftrag gefährdet ist
  • Sockel- und Betonflächen im Außenbereich, sofern keine Dämmschicht darunter liegt

Was nie unter Hochdruck gereinigt werden sollte: WDVS, verputzte Flächen jeder Art, Holzverkleidungen, Dachziegel und Fassaden mit sichtbaren Rissen oder Ausblühungen. Bei diesen Materialien liegt die vertretbare Arbeitsgrenze bei unter 30 bar — das entspricht technisch einem Niederdruckverfahren oder dem Weichwasch-Prinzip. Wer ein Objekt im Ruhrgebiet reinigen lässt, findet dort überdurchschnittlich viele Klinkerfassaden der Nachkriegszeit — das sind häufig gute Kandidaten für kontrollierten Hochdruckeinsatz, vorausgesetzt, der Fugenmörtel ist noch in Ordnung. Ein seriöser Anbieter prüft den Zustand vor Ort, bevor er die Maschine auspackt.

Wie Anbieter mit dem Begriff Hochdruckreinigung täuschen

Manche Anbieter werben mit „Hochdruckreinigung" als Qualitätsmerkmal — obwohl der Begriff allein nichts über den tatsächlichen Arbeitsdruck aussagt. Das Wort ist nicht geschützt, nicht normiert und wird gezielt eingesetzt, um Leistung zu suggerieren, die entweder zu viel oder schlicht die falsche für Ihre Fassade ist.

Das Muster läuft meist so: Im Angebot steht „professionelle Hochdruckreinigung inkl. Reinigungsmittel — 4,50 €/m²". Was fehlt, ist die entscheidende Angabe: mit welchem Druck tatsächlich gearbeitet wird. Anbieter, die seriös kalkulieren, nennen den Betriebsdruck in bar und passen ihn dem Untergrund an — 40–60 bar für empfindlichen Putz, bis zu 150 bar für hartes Klinkermauerwerk. Wer diese Zahl im Angebot weglässt, hat entweder keine klare Methodik oder möchte flexibel bleiben — auf Kosten Ihrer Fassade. Aus unserer Erfahrung bei Aufträgen in der Region rund um den Ruhrgebietsraum sehen wir regelmäßig Schäden, die auf undifferenzierten Hochdruckeinsatz zurückgehen und im Nachgang teuer nachgebessert werden mussten.

Besonders verbreitet sind drei Täuschungsmuster, auf die Sie achten sollten:

  • „Hochdruck" als Synonym für Kompetenz: Der Begriff klingt professionell, sagt aber nichts über Methode, Druck oder Eignung für Ihren Fassadentyp aus.
  • Kein Druckwert im Angebot: Seriöse Fachbetriebe nennen den maximalen Betriebsdruck schriftlich. Fehlt er, ist Nachfragen Pflicht — vor der Beauftragung, nicht danach.
  • Einheitspreis ohne Materialprüfung: Wer Putz, WDVS und Klinker zum selben Quadratmeterpreis reinigt, hat Ihre Fassade vor dem Angebot nicht bewertet. Das ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Warnsignal.
  • „Biologisch abbaubar" als Freifahrtschein: Umweltfreundliche Reinigungsmittel sind sinnvoll — ersetzen aber keine druckangepasste Methode. Die Kombination aus zu hohem Druck und Reinigungsmittel beschleunigt Fugenauswaschung und Putzabtrag.

Der einfachste Schutz: Verlangen Sie ein schriftliches Angebot, das Fassadenmaterial, maximalen Arbeitsdruck in bar und die eingesetzte Methode (Hochdruck, Niederdruck, Weichwasch oder Kombination) explizit benennt. Ein Anbieter, der das nicht liefern kann oder will, hat das Handwerk nicht verstanden — oder möchte die Haftung im Schadensfall vermeiden.

Was kostet es, einen Hochdruckschaden an der Fassade zu beheben?

Die Beseitigung eines Hochdruckschadens kostet in der Regel ein Vielfaches der ursprünglichen Reinigung. Ausgespülte Fugen, abgeplatzter Putz oder durchnässte WDVS-Platten lassen sich nicht mit einem zweiten Reinigungsdurchgang beheben — hier ist handwerkliche Instandsetzung nötig, die schnell 50 bis 150 € pro Quadratmeter erreicht.

Die Kostenbandbreite hängt davon ab, wie tief der Schaden reicht und welcher Fassadentyp betroffen ist. Bei einer Klinkerfassade mit ausgespülten Fugen beschränkt sich der Schaden oft auf das Nachverfugen: Fachbetriebe berechnen dafür je nach Region und Zugänglichkeit zwischen 8 und 20 € pro laufendem Meter. Klingt überschaubar — aber bei einer typischen Einfamilienhaus-Fassade mit 60 bis 80 Laufmetern Fuge kommen schnell 600 bis 1.600 € zusammen, bevor überhaupt Gerüstkosten eingerechnet sind. Bei Putzfassaden, auf denen der Hochdruck Schichten abgetragen oder Risse geöffnet hat, ist partielles Ausflicken selten dauerhaft: Oft muss ein Malerbetrieb den gesamten betroffenen Bereich neu verputzen und streichen, was Kosten von 35 bis 80 € pro Quadratmeter nach sich zieht.

Am teuersten wird es beim WDVS. Haben Hochdruckstrahlen Wasser hinter die Dämmplatten gedrückt, trocknet das Material dort kaum von selbst aus. Schimmel setzt sich fest, die Klebeverbindung löst sich, und im schlimmsten Fall müssen einzelne Plattenfelder vollständig erneuert werden. Aus unserer Erfahrung — und die unseres Partners in der Region Bonn, der regelmäßig Folgeaufträge nach Billiganbietern übernimmt — liegen solche WDVS-Teilsanierungen zwischen 120 und 200 € pro Quadratmeter, inklusive Material, Gerüst und fachgerechter Entsorgung der durchnässten Dämmung. Bei einer betroffenen Fläche von nur 20 m² sind das 2.400 bis 4.000 €.

Schadenstyp Typische Instandsetzungskosten
Ausgespülte Fugen (Klinker) 8–20 € pro laufendem Meter
Putzschäden (Risse, Abtrag) 35–80 € pro m²
WDVS-Teilsanierung (durchnässt) 120–200 € pro m²
Gerüst (EFH, 3 Seiten, ca. 4 Wochen) 800–1.800 € pauschal

Hinzu kommt: Viele Hochdruckschäden sind nicht sofort sichtbar. Durchnässte Dämmung zeigt sich erst Monate später als Feuchtefleck oder Schimmelstreifen im Innenbereich. Dann ist die Rechnung längst bezahlt, der Anbieter nicht mehr greifbar — und die Gewährleistungsfrage kaum noch durchsetzbar. Ein Festpreisangebot, das die Reinigungsmethode nicht schriftlich benennt, ist deshalb kein Angebot, das Sie annehmen sollten.

Die richtige Reinigungsmethode für Ihre Fassade wählen

Die passende Reinigungsmethode ergibt sich aus drei Faktoren: Fassadenmaterial, Verschmutzungsgrad und Alter des Putzes. Wer diese drei Punkte kennt, kann beurteilen, ob Niederdruck, Weichwasch oder — in Ausnahmefällen — kontrollierter Hochdruck das richtige Werkzeug ist.

Die nachfolgende Übersicht fasst zusammen, welche Methode für welchen Fassadentyp vertretbar ist. Als Faustregel gilt: Je poröser oder dämm­technisch empfindlicher die Oberfläche, desto niedriger muss der Arbeitsdruck sein. Ein WDVS-System aus den 1990er Jahren verträgt in der Regel maximal 40–60 bar — und auch das nur bei ausreichend Abstand und breiter Düse. Putzfassaden aus der Nachkriegszeit, die nie saniert wurden, können selbst bei 80 bar stellenweise aufbrechen.

  • WDVS / Wärmedämmverbundsystem: ausschließlich Weichwasch (Soft Wash) mit Biozid-Lösung, max. 40–60 bar nur zur Vorspülung, kein Direktstrahl auf Putz oder Armierungsgewebe
  • Mineralputz / Kratzputz: Niederdruck 60–100 bar mit Flächenreiniger, bei starkem Algen- oder Moosbefall kombiniert mit Vor­behandlungsmittel
  • Klinker / Sichtmauerwerk: Hochdruck bis 120–150 bar vertretbar, aber nur bei intakten Fugen; Fugenbreite vor Beginn prüfen lassen
  • Naturstein / Sandstein: Niederdruck unter 60 bar, keine scharfen Runddüsen, keine chemischen Reiniger ohne pH-Prüfung
  • Holzverkleidung / Fachwerk: Niederdruck 40–80 bar, immer mit der Maserung, nicht gegen sie — sonst reißen Holzfasern auf

Aus unserer Erfahrung — und die unseres Partners in NRW, der jährlich über 200 Objekte betreut — unterschätzen Hauseigentümer regelmäßig den Zustand ihrer Fugen. Klinker sieht robust aus, aber ausgespülte Fugen sind nach einer Hochdruckreinigung mit falscher Düse innerhalb von 18 Monaten sanierungsbedürftig. Eine Fugensanierung kostet je nach Umfang 15–40 € pro laufendem Meter — ein Betrag, der sich durch die richtige Methodenwahl von Anfang an vermeiden lässt. Wer etwa im Großraum Bonn oder der Bonner Rheinschiene eine gründerzeitliche Klinkerfassade reinigen lassen möchte, sollte vorab ausdrücklich nach dem geplanten Arbeitsdruck und der Düsenart fragen — und die Antwort schriftlich im Angebot festhalten lassen.

Ein seriöser Anbieter nennt Ihnen den Arbeitsdruck, den Düsentyp und — bei Weichwasch — die eingesetzte Wirkstoffkonzentration, bevor er auch nur ein Gerät aus dem Transporter lädt. Fehlen diese Angaben im Angebot, ist das kein Versehen: Es ist ein Warnsignal. Verlangen Sie Transparenz, bevor Sie unterschreiben.

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FAQ

Fragen zu Fassade

Kann ich meine Fassade mit einem Kärcher Hochdruckreiniger selbst reinigen?

Nur bei robusten Materialien wie Sichtbeton oder glasiertem Klinker — und auch dort nur mit maximal 80–100 bar und flachem Anstellwinkel. Putzfassaden, WDVS und unglasierter Klinker reagieren empfindlich auf hohen Druck: Putz blärt auf, Fugen spülen aus, Dämmmaterial nimmt Feuchtigkeit auf. Aus unserer Erfahrung endet der gut gemeinte Kärcher-Einsatz am Wochenende in jedem vierten Fall mit einem Folgeauftrag zur Schadensbehebung. Beauftragen Sie bei unbekanntem Fassadenmaterial immer einen Fachbetrieb, der den Untergrund zuerst beurteilt.

Was ist Niederdruck-Weichwasch und ist es besser als Hochdruck?

Weichwasch (Softwash) arbeitet mit 20–80 bar und setzt auf Biozid- oder Tensid-Vorbehandlung, die Algen, Moose und Schmutzpartikel löst, bevor das Wasser spült. Das Ergebnis ist bei organisch belasteten Fassaden mindestens gleichwertig, die Oberfläche bleibt intakt. Für WDVS und Putzfassaden ist Weichwasch die empfohlene Standardmethode — sie reduziert den mechanischen Stress auf ein Minimum und verlängert das Reinigungsintervall durch den Biozidfilm auf 3–5 Jahre.

Wie erkenne ich, ob meine Fassade eine WDVS-Dämmung hat?

Klopfen Sie mit dem Knöchel an die Außenwand: Ein hohler, weicher Klang deutet auf eine Dämmplatte hinter dem Putz hin. Alternativ: Steckdosen und Schalter an der Außenwand sitzen bei WDVS-Häusern tiefer in einer Einbaubox. Die Fassadendicke von außen (Fensterleibung) ist ein weiteres Indiz — mehr als 15 cm Leibungstiefe bei Neubauten ab 1995 spricht fast immer für WDVS. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in die Baugenehmigungsunterlagen oder die Frage an den Bauträger.

Was kostet die Reparatur eines Hochdruckschadens an der Fassade?

Ausgespülte Fugen kosten 15–35 €/m² zur Neuverfugung, beschädigter Außenputz 25–60 €/m² inkl. Material und Egalisierungsanstrich. Bei WDVS-Fassaden, wo Wasser in die Dämmschicht eingedrungen ist, können Trocknungskosten und Teilsanierung schnell 80–120 €/m² erreichen. Diese Zahlen machen deutlich: Eine sorglose Hochdruckreinigung für 8 €/m² kann Folgekosten erzeugen, die das Zehnfache übersteigen. Lassen Sie vor jedem Reinigungsauftrag den Fassadentyp schriftlich festhalten.

Welchen Druck darf ein Profi an meiner WDVS-Fassade maximal einsetzen?

Maximal 30–60 bar — abhängig vom Hersteller des Putzsystems und Zustand der Oberfläche. Viele Hersteller von WDVS-Systemputzen (z. B. Sto, Baumit, Caparol) empfehlen in ihren Technischen Merkblättern explizit Niederdruckreinigung. Unser NRW-Partner arbeitet an WDVS standardmäßig mit 40 bar Maximaldruck und prüft vor dem Einsatz, ob der Putz Hohlstellen aufweist. Bitten Sie jeden Anbieter, den geplanten Arbeitsdruck vor Auftragserteilung schriftlich zu nennen.

Wie lange hält eine professionelle Fassadenreinigung an?

Bei Niederdruck-Weichwasch mit Biozid-Nachbehandlung 3–5 Jahre, bei reiner Hochdruckreinigung ohne Wirkstoff oft nur 12–24 Monate — weil der Biofilm-Aufwuchs ohne Schutzmittel schnell zurückkehrt. Entscheidend ist die Exposition: Nordfassaden mit wenig Sonneneinstrahlung und viel Feuchte brauchen häufigere Intervalle als südseitige, gut durchlüftete Flächen. Ein seriöser Betrieb gibt Ihnen nach der Reinigung eine schriftliche Einschätzung zum nächsten Reinigungs­intervall.
Der letzte Schritt

Seriös, geprüft, schriftlich garantiert.

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